Arbeitsmodelle für LKW-Fahrer: 3/1, 2/1 oder 2/2?

Veröffentlicht am 17.08.2026 · 6 Min. Lesezeit

ZB

Bewerbox-Team

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Arbeitsmodelle für LKW-Fahrer: 3/1, 2/1 oder 2/2?

Aktualisiert: Oktober 2026

3/1, 2/1, 2/2 – diese Zahlen findest du in fast jeder Stellenanzeige für Fahrer. Die erste Zahl steht für Wochen Arbeit, die zweite für Wochen frei. Vom Arbeitsmodell hängt ab, wie viel du verdienst, wie viel Zeit du mit deiner Familie hast und wie erschöpft du bist.

Hier vergleichen wir die gängigsten Modelle, erklären den Unterschied zwischen deutschen und ausländischen Arbeitgebern und zeigen, welches Modell zu wem passt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 2/2 – am meisten Freizeit, niedrigster Verdienst.
  • 2/1 – Kompromiss zwischen Geld und Zuhause.
  • 3/1 – am häufigsten im Fernverkehr, höherer Verdienst.
  • 4/1 – höchster Verdienst, aber praktisch das Maximum, das EU-Recht erlaubt.
  • Nahverkehr – jeden Abend zu Hause, fester Lohn, kaum Spesen.

Vorab wichtig: deutscher oder ausländischer Arbeitgeber?

Bevor du Arbeitsmodelle vergleichst, prüfe, wer dein Arbeitgeber ist. Das macht oft mehr aus als das Modell selbst.

Vertrag mit einer deutschen Firma:

  • Lohn nach deutschen Regeln, mindestens 13,90 € brutto pro Stunde (Mindestlohn),
  • Steuern und Sozialabgaben in Deutschland,
  • Spesen: 14 € für An- und Abreisetage, 28 € für jeden vollen Tag – steuerfrei.

Ausländische Firma mit Entsendung nach Deutschland:

  • Vertrag und Sozialversicherung im Heimatland,
  • Grundlohn oft niedrig, ein großer Teil des Einkommens besteht aus Spesen,
  • die Höhe der Spesen regelt die Firma – frag immer nach dem Tagessatz.

Die Modelle 2/2 und 2/1 findest du vor allem bei ausländischen Firmen mit Entsendung. Wichtig: Spesen zählen weder für die Rente noch für das Krankengeld. Mehr dazu im Artikel LKW-Fahrer Gehalt 2026: Brutto, Netto und Spesen.

Was das Gesetz sagt – das EU-Mobilitätspaket

Unabhängig vom Arbeitsmodell gelten die EU-Regeln zu Lenk- und Ruhezeiten:

  • Rückkehr nach Hause mindestens alle 4 Wochen. Der Arbeitgeber muss die Arbeit so planen, dass du nach Hause oder zum Firmenstandort zurückkehren kannst. Nach zwei verkürzten Wochenruhezeiten in Folge verkürzt sich die Frist auf 3 Wochen.
  • Die regelmäßige Wochenruhezeit (45 Stunden) darf nicht in der Kabine verbracht werden. Der Arbeitgeber muss eine Unterkunft stellen und bezahlen.
  • Lenkzeit: höchstens 56 Stunden pro Woche und 90 Stunden in zwei aufeinanderfolgenden Wochen.

Deshalb ist 4/1 praktisch das Maximum. Bei Angeboten wie 5/1 oder 6/2 solltest du genau hinschauen.

2/2 – zwei Wochen Arbeit, zwei Wochen frei

  • Unterwegs: ca. 15 Tage im Monat
  • Netto ungefähr: 1.700–2.300 € im Monat inklusive Spesen

Vorteile:

  • den halben Monat zu Hause,
  • viel Zeit zur Erholung,
  • Arbeit und Familie lassen sich gut vereinbaren.

Nachteile:

  • niedrigster Verdienst – bis zu 800–1.000 € netto weniger als bei 3/1,
  • meist niedriger Grundlohn und damit eine niedrigere Rente.

2/1 – zwei Wochen Arbeit, eine Woche frei

  • Unterwegs: ca. 20 Tage im Monat
  • Netto ungefähr: 2.100–2.700 € im Monat inklusive Spesen

Vorteile:

  • alle drei Wochen zu Hause,
  • deutlich mehr Geld als bei 2/2 – meist 400–600 € netto,
  • gute Balance zwischen Arbeit und Privatleben.

Nachteile:

  • weniger Freizeit als bei 2/2,
  • die freie Woche vergeht schnell, vor allem bei langer Anreise.

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3/1 – drei Wochen Arbeit, eine Woche frei

  • Unterwegs: ca. 22–23 Tage im Monat
  • Netto ungefähr: 2.400–3.300 € im Monat inklusive Spesen

Vorteile:

  • hoher Verdienst durch mehr Spesentage,
  • im Fernverkehr am weitesten verbreitet – viele Angebote,
  • Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit (z. B. 25 % und 50 % des Stundenlohns) sind bis zu gesetzlichen Grenzen steuerfrei.

Nachteile:

  • drei Wochen weg von zu Hause,
  • erfordert gute körperliche und psychische Verfassung,
  • nur eine Woche frei, davon geht ein Teil für die Anreise drauf.

Wichtig: Die freie Woche ist kein Urlaub. Urlaub steht dir in jedem Modell zusätzlich zu – in Deutschland mindestens 20 Tage pro Jahr bei einer Fünftagewoche.

4/1 und Nahverkehr

4/1 – vier Wochen Arbeit, eine Woche frei. Netto ungefähr 2.700–3.300 € im Monat. Höchster Verdienst, aber auch die längste Abwesenheit – die Grenze dessen, was das Gesetz erlaubt.

Nahverkehr (ohne Schichtsystem) – normale Vollzeitstelle, jeden Abend zu Hause. Bei 3.000–3.200 € brutto sind das rund 2.050–2.170 € netto in Steuerklasse I, Spesen gibt es kaum. Dafür hast du ein geregeltes Leben, zahlst aber deine Wohnung selbst – siehe Lebenshaltungskosten als LKW-Fahrer 2026.

Arbeitsmodelle im Vergleich

Modell Netto ungefähr* Tage unterwegs / Monat Freie Tage / Monat
2/2 1.700–2.300 € ca. 15 ca. 15
2/1 2.100–2.700 € ca. 20 ca. 10
3/1 2.400–3.300 € ca. 22–23 ca. 7–8
4/1 2.700–3.300 € ca. 24 ca. 6
Nahverkehr 1.800–2.400 € ca. 21 Arbeitstage Wochenenden

*Spannen aus Stellenangeboten 2026, netto inklusive Spesen. Der genaue Betrag hängt von Firma, Stundenlohn und Steuerklasse ab.

Welches Modell passt zu dir?

2/2 – wenn du:

  • Freizeit an erste Stelle setzt,
  • Familie oder Verpflichtungen hast, die deine Anwesenheit brauchen,
  • mit weniger Verdienst leben kannst.

2/1 – wenn du:

  • den goldenen Mittelweg zwischen Geld und Zuhause suchst,
  • nicht länger als zwei Wochen am Stück weg sein willst.

3/1 oder 4/1 – wenn du:

  • vor allem Geld verdienen willst,
  • deine Familie längere Abwesenheit akzeptiert,
  • lange Touren gut verkraftest.

Nahverkehr – wenn du:

  • jeden Abend im eigenen Bett schlafen willst,
  • dauerhaft in Deutschland lebst oder umziehen möchtest.

Häufige Fragen

Kann man bei 2/2 mehr als 2.300 € netto verdienen?

Ja, aber selten – nur bei hohen Spesen und Wochenendzuschlägen. Realistisch liegt die Obergrenze bei etwa 2.500 € netto.

Welches Modell eignet sich für Einsteiger?

2/1 oder 2/2. Kürzere Touren geben dir Zeit, dich einzugewöhnen, und ein Firmenwechsel ist leichter.

Sind die Spesen im Betrag der Anzeige enthalten?

Nicht immer. Manche Firmen nennen nur den Lohn und zahlen Spesen extra, andere nennen den Gesamtbetrag. Frag immer nach, wie hoch der Grundlohn und wie hoch die Spesen sind.

Kann ich das Modell später wechseln?

In vielen Firmen ja – meist nach der Probezeit. Frag am besten schon im Vorstellungsgespräch danach.

Fazit

Es gibt nicht das eine beste Arbeitsmodell – nur das, das zu deinem Leben passt. Geht es dir ums Geld, wähle 3/1 oder 4/1. Sind Familie und Freizeit wichtiger, passt 2/2. Suchst du die Balance, ist 2/1 ein guter Kompromiss.

Prüfe vor der Unterschrift drei Dinge: deutscher oder ausländischer Arbeitgeber, Höhe des Grundlohns und Spesensatz pro Tag.

Stellenangebote für LKW-Fahrer in Deutschland auf Bewerbox – in verschiedenen Arbeitsmodellen.


Quellen:

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